Coaching

Carl Rogers, humanistischer Psychotherapeut, sagte einmal, man könne sich vorstellen, dass man auf seinem Lebensweg an einem Punkt einer Herausforderung begegnet. An dieser Stelle entscheidet man sich möglicherweise, eine Begleitung dazu zu holen, die das Stück des Weges mit Ihnen geht – solange bis Sie sich wieder so stark fühlen, die weiteren Schritte selbst zu gehen. Gerne begleite ich Sie als Coach auf diesem Teil Ihres Weges.

Supervision

Als ich 2014 eine Ausbildung zum hypnosystemischen Coach, Berater und Therapeuten anfing, bekam ich einer Dozentin ein grünes DIN-A4-Blatt ausgehändigt. Nur fünf Worte standen auf diesem Blatt:

Der Mensch braucht den Menschen.

Wenn Sie beruflich viel mit Menschen zusammenarbeiten, sind Sie möglicherweise an einem Punkt, über eigene Themen oder Themen in der Beziehung zu anderen zu reflektieren und neue Perspektiven zu bekommen. An diesem Punkt kann eine Supervision sinnvoll sein.

Organisationsberatung

Auch Anliegen, die in Organisationen auftreten, können Anlass für Coaching, Beratung und Supervision sein:

  • Wie finde ich meinen Platz als neue Führungskraft?
  • Wie kann unser Team noch mehr zusammenrücken?
  • Wie kann unsere Organisation mit Wandel umgehen?

Um nur ein paar Beispiele für Anlässe zu nennen. Genauso wie jeder Mensch individuell ist, ist auch jede Organisation und ihre Kultur individuell – diese Perspektive motiviert meine Arbeit.

„Meine Philosophie“

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ sagte einmal der Religionsphilosoph Martin Buber. Dieses Zitat drückt einen wichtigen Aspekt meiner Arbeit aus: Menschen gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen, eine wertschätzende, vertrauensvolle Atmosphäre schaffen, in der Entwicklung stattfinden kann. Zusätzlich fließt noch die Überzeugung mit ein, nach der Milton Erickson, amerikanischer Hypnotherapeut, lebte: „Der Mensch trägt bereits alles in sich, um die Lösung seiner Probleme zu finden.“ Und ist es nicht wunderbar, diese ungehobenen Schätze bergen zu können…

Benjamin Lang
01 Jan 2008
01 Jan 2008

Bachelor Of Arts Geschichte

Nebenfächer Germanistik und Psychologie

01 Jan 2012
01 Jan 2012

Personal- Und Business-Coach

01 Jan 2015
01 Jan 2015

Psychologischer Berater

zertifizierter psychologischer Berater durch den Verband freier Psychotherapeuten (VfP) und Erlaubnis zum Heilpraktiker für Psychotherapie durch das Ordnungsamt Kassel

01 Jan 2016
01 Jan 2016

ausgebildeter hypnosystemischer Therapeut, Berater, Coach

zusätzliche Ausbildung zum Hypnotiseur

01 Aug 2017
01 Aug 2017

Fachdozent

Fachdozent

01 Sep 2019
01 Sep 2019

Masterstudium „Coaching, Organisationsberatung, Supervision“

 An der Universität Kassel

Häufige Fragen

(FAQ’s)

Sie können mailen mir oder rufen mich an – dann verabreden wir ein ausführliches Telefongespräch.

Wenn wir telefonieren, erläutern Sie mir Ihre Situation und wie Sie sich Coaching als Unterstützung zur Veränderung vorstellen. Wenn Einzel-Coaching sinnvoll erscheint, verabreden wir einen Termin für das Beratungsgespräch vor Ort in Bad Wildungen.

Dieses Telefonat, das Beratungsgespräch und alle Coachingsitzungen fallen selbstverständlich unter die Schweigepflicht meinerseits.

Während des Beratungsgesprächs erläutern Sie mir ausführlich Ihre Situation und Ihre bisherigen Ansätze zur Verbesserung Ihrer Lage. Wir sprechen über das gute Ergebnis nach dem Coaching und woran ich als Coach und Sie merken, dass Ihr Coaching erfolgreich war. Sie geben mir Informationen über Ihren Berufsweg, wichtige Lebensereignisse, Träume und Ziele. Ich erläutere Ihnen mein Coaching-Konzept, den Ansatz, nach dem ich arbeite, Grundregeln und Möglichkeiten.

Nach unserem Beratungsgespräch haben Sie Bedenkzeit, ob Sie die Coachingbegleitung in meiner Praxis wahrnehmen wollen. Wenn Sie sich für Einzel-Coaching entscheiden, verabreden wir den Termin für die erste Coaching-Sitzung in Bad Wildungen.

Wir sprechen über eine gemeinsame Arbeitsweise, die Kontaktmöglichkeiten per E-Mail und Telefon zwischen den Sitzungen und die Modalitäten für die Absage einer Sitzung. Sie stellen Ihre Ziele auf, die Sie durch das Coaching erreichen wollen, wir entwerfen den Coachingfahrplan für die einzelnen Sitzungen. Sie beginnen mit der Reflexion von Alltagssituationen, wir entwickeln die ersten Übungen für den Alltag. Wir visualisieren alle wesentlichen Ergebnisse an der Flipchart, die gerne als Fotoprotokoll zur Verfügung stehen kann.

Zu Beginn sortieren wir gemeinsam die Themen der Coachingsitzung. Sie reflektieren Ihre Übungen aus dem Alltag, berichten von Ihren Erkenntnissen in der Umsetzung, von Ihren Erfolgen und von Veränderungen. Wir „verschreiben“ erste Lösungen, die Sie dann im Alltag umsetzen können.
Während der Sitzungen visualisieren wir Ihre Erkenntnisse an der Flipchart und entwickeln Übungen für den Alltag. Am Ende des Termins frage ich Sie nach dem Gewinn des Coachings für heute.

Einige der Folgesitzungen – auch Zwischensitzungen bei akuten Ereignissen – können auch online via Zoom stattfinden.  Das besprechen wir dann individuell.

Sie können mit mir telefonisch und per E-Mail gerne im Kontakt bleiben oder später zu einer weiteren Sitzung kommen. Oder, nach einiger Zeit, die Sie genutzt haben, entscheiden Sie sich für eine zweite Coachingphase mit weiterführenden Themen.

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Meine Kurse

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Blog Highlights

Der Kulturphilosoph Charles Eisenstein sagte, dass man einen Sklaven dazu brachte, Angst vor der
Freiheit zu haben. Angst vor der Freiheit haben… Ein Satz, den man sich gerne noch mal in Ruhe
durch den Kopf gehen lassen darf. So oft wie es geht. Unser Gesundheitsminister sprach letztens
einen ganz interessanten Satz bezüglich der Debatte zur Impfpflicht: „In einem freien Land, wie das,
in dem wir leben, müssen wir es in Betracht ziehen, jeden zu verpflichten, sich impfen zu lassen.“
Unabhängig davon wie ich zu dieser Debatte stehe – aber strahlt dieser Satz Freiheit aus? Was ist mit
dem Wort müssen? Wie sagen wir am Tag müssen? Müssen ist ein Hinweis dafür, dass wir doch
unfrei sind oder? Sonst müssten wir ja nicht. „Ich muss um 16 Uhr da und da sein“ bedeutet doch,
dass jemand über uns verfügt, dass jemand oder etwas Macht über uns hat. Also machen wir mit,
denn würden wir es nicht tun, würden wir ja verarmen, keine Arbeit haben, auf der Straße sitzen.
Also haben wir doch da zumindest keine Wahlfreiheit. Dann ergeben wir uns dem Zustand, dass wir
etwas tun müssen. Und wer hat nicht schon mal zu sich oder zu anderen gesagt: „Ständig mache ich
für andere, und vergesse zu oft mich selbst?“ Wenn ich schon bei diesem Satz angekommen bin,
dann mache ich etwas nicht gerne, sonst würde ich ihn ja nicht aussprechen. Und wer macht ständig
etwas für andere, ohne Wahlfreiheit zu sehen. Das Zitat von Eisenstein steht oben im ersten Satz.
Das Wort Pflicht drückt ja auch schon bereits aus, dass es eigentlich keine Wahlfreiheit gibt, aber hier
möchte ich zu der Debatte nichts beitragen.
Dabei strebt doch der Mensch immer nach Freiheit, oder ist es eher eine Vermeidung von Angst? Die
Geschichte gibt uns Einblicke, wann dazu gedrängt waren, für ihre Freiheit zu kämpfen. Sind es die
Bauernkriege, die Französische Revolution oder auch Menschen die Februarrevolution, die das Ende
des Zarenreichs einläutete. Bei all diesen Ereignissen lösten sich Menschen aus starren Herrschafts-
Strukturen. Und es sind diese Strukturen, die dann wieder aufgebaut werden, um Ordnung zu
schaffen, und die dann irgendwann wieder niedergerissen werden.
Aber haben wir Angst vor der Freiheit? Was ist, wenn wir mal eine gewisse Zeit nichts zu tun haben?
Nichts zu tun für einen längeren Abschnitt? Wer kann diesen Zustand aushalten? Wir sind so
geschäftig, dass wir meinen, die nicht genutzte Zeit wäre vergeudet. Zeit vergeuden… Also vergeuden
wir unser Leben. Und wir haben doch auch nur dieses eine Leben. Und das müssen wir füllen. Mit
Ereignissen, mit Zerstreuung, mit Unterhaltung. Dafür sind wir dankbar, denn es lenkt uns von der
Angst ab und wir brauchen nicht auf sie schauen. Angenommen jemand hat Angst vor Fahrstühlen.
Im besten Fall tut er alles dafür, um einen Fahrstuhl zu vermeiden. Alles andere würde Angst
bedeuten, unangenehme körperliche Reaktionen mit sich bringen, Vergleiche mit anderen, wenig
wertschätzende Gedanken, sprich: die unwillkürlichen Muster werden aktiviert. Ja und diese sind
unangenehm, deshalb läuft die Person so gerne Treppen, wohnt in einem Haus ohne Fahrstuhl oder
wenn mit Fahrstuhl, dann im Erdgeschoss. Das ist eine hilfreiche Strategie, denn: die Angst ist
vermieden worden, der Erregungszustand des Körpers ist ausgelassen worden, die negativen
Gedanken kamen erst gar nicht auf. Und die Vermeidungsstrategie brachte Entspannung und ein
angenehmes Gefühl. Der Mensch tut gerne mehr von dem, was gut funktioniert. Bis irgendwann die
Angst gar nicht mehr so bewusst ist. Im Falle einer Klaustrophobie bei Fahrstühlen ist die Angst
vielleicht noch eher bewusst. Aber was ist, wenn jemand im Kleinkindsalter eine Erfahrung gemacht
hat, die das Kind mit Angst verknüpft? Angenommen es ist von der Mutter mal für einen kurzen
Zeitraum alleine gelassen worden, dass Kind hatte Angst und entwickelt vielleicht eine Angst vor
Einsamkeit. Vielleicht wird sich diese Person später ständig an Personen hängen, sich von diesen
abhängig machen, um sie nicht zu verlieren, oder um nicht verlassen zu werden. Hier wird kein
konkretes Objekt wie ein Fahrstuhl vermieden, hier geht es um eine abstrakte angstverknüpfte
Erfahrung, die auf gegenwärtige Situationen auch nach etlichen Jahren projiziert wird. Wie soll man
da den „Fahrstuhl“ entdecken? Und auch hier gibt es eine Vielzahl verschiedener Strategien, um das

Gefühl, verlassen zu werden, oder einsam zu sein, zu vermeiden. Die betroffenen Personen können
vielleicht in Beziehungen sein, in denen sie nicht sein wollen, aber es ist ja immer noch besser, als
alleine zu sein, vielleicht lenken sie sich ständig ab, um nicht auf die Angst zu schauen: unsere
heutige Gesellschaft bringt ja vieles mit sich, mit dem wir uns erfolgreich ablenken können, wie z.B.
TV schauen, Alkohol, Smartphones, Internet, Events und Locations, um nur einige zu nennen.
Die große Herausforderung dabei ist allerdings, dass sich nur die wenigsten ihrer Angst bewusst sind.
Doch sie ist da. Sie zeigt sich ständig. Angst hat erwiesenermaßen eine Art Energie, eine biologisch-
emotionale Energie. Unser Körper reagiert bei Angst und andere erkennen die Angst in uns, ohne zu
wissen, um was es geht. Ja, sie spüren diese Angst sogar auch. Jeder hat oder vielmehr: ist Angst.
Denn sie ist ja kein personifiziertes Wesen außerhalb unseres Körpers oder unserer Psyche, sondern
sie gehört zu uns und sie ist sinnvoll. Angenommen wir befinden uns in Situationen, die uns Angst
machen, so lernen wir ständig neue Lösungsstrategien und Verhaltensweisen, doch der Kern bleibt
und er macht sich ständig bemerkbar auf verschiedene Weisen. Und so lernen wir, diesen Kern
immer mehr zu überdecken, bis wir später kaum noch aushalten können, mal nichts zu tun.
Es ist vielleicht die Angst, dass wir die Zeit, die wir haben vergeuden würden und es ist die Angst,
dass es auf einmal so still sein kann. Was oder wen haben wir dann noch außer uns selbst. 1830
haben die Revolutionäre in Paris während der Julirevolution alle Uhren zerstört, derer sie habhaft
wurden. Ein Akt möglicherweise, um sich von einem selbstgeschaffenen Meister zu befreien. Zeit –
etwas, was uns Sicherheit gibt, und wenn wir an Sicherheit denken, steht doch davor die Angst. Ich
schütze mich ja vor den Gefahren, um keine Angst mehr haben zu müssen, und stattdessen sicherer
zu leben. Also können auch Strukturen und Vorgaben für Sicherheit sorgen. Bis wir zu dem Punkt
ankommen, an dem wir ein Problem dadurch benennen, oder jemand anders bei uns selbst ein
Problem benennt. An dieser Stelle verweise ich auf den Blogartikel „Systeme und Probleme“, denn es
gibt eine spezielle, systemische Betrachtungsweise, wie Probleme entdeckt werden und ein System
um sich herum bilden. Und abschließend teile ich mit euch die Frage, die mich ständig beschäftigt:
Wie sehr ist Entwicklung in einem „angstbesetztem“ System möglich? Und hier kann ein System nicht
nur ein Gesellschaftssystem, kulturelles System, eine Nachbarschaft, ein Betrieb, oder ähnliches sein:
sondern auch jeder selbst ist auch ein System.

Wie aufmerksame Leser meines Blogs sicher schon wahrgenommen haben, behandele ich in letzter
Zeit intensiver das Thema Selbst und wie wir uns vielleicht auch von unserem Selbst entfremden.
Wahrscheinlich kommt das Interesse daher aus meiner eigenen Geschichte, vielleicht aus aktuellen
Entwicklungen und Büchern, oder aber auch aus Ausbildungen und einem Streben nach etwas
anderem. Wie auch immer, jetzt möchte ich einige Ideen, Gedanken und Anregungen bezüglich des
Ganz-werdens mit dir teilen. In der Psychotherapie gilt diese Richtung als Dritte Säule, es gibt eine
Richtung in der Philosophie, auch in der Geschichte wurde eine ganze Epoche nach diesem Ansatz
benannt: Der Humanismus. Der Humanismus beschäftigt sich nach dem Namen her mit dem
Menschen. Und zwar, wie es möglich ist, dass der Mensch ganz werden kann. Ich benutze hier
absichtlich den Ausdruck des Ganz-werdens, statt der Ganzheitlichkeit. Ganzheitlichkeit ist in aller
Munde und auch ein Begriff, der, wie ich finde, zu weit gedehnt wird, schließlich gibt es ja auch
ganzheitliche Hundefrisöre und ganzheitliche Rohrreinigung.
Andere Sichtweisen davor (zum Bespiel die klassische Psychoanalyse: psychischer Apparat) haben
den Menschen als Teile einer Maschine betrachtet. Viele Soziologen, die den Menschen eingebettet

in das System Gesellschaft sehen, sprechen sogar von einer Megamaschine, zu der auch der Mensch
gehört. Aber genau das impliziert wohl die Herausforderungen, vor der viele Menschen stehen: sie
sehen sich als Teile einer Maschine. Teile in einer Maschine arbeiten im gesamten System
spezialisiert und eigenständig, aber doch immer abhängig im Gefüge des maschinellen Prozesses. In
unserer Gesellschaft wird das durch die Arbeits-teilung gekennzeichnet und abgeleitet: Der Mensch
ist für einen Teil zuständig, er erfüllt nur einen Teil der Aufgaben und lebt auch nur einen Teil seines
Lebens, um hier Lewis Mumford, Wissenschaftler und Kritiker, zu erwähnen. Klar, nur einen Teil
seines Lebens leben, weil man nur einen Teil der Aufgabe erfüllt. Und Arbeit macht ein Drittel
unseres Lebens aus. Einen anderen großen Teil unseres Lebens schlafen wir. Also wo bleibt der
Mensch dann mit all seinen wunderbaren Ressourcen, die doch irgendwo in ihm sind?
Auf einem Symposium habe ich im April einen Vortrag darüber gehalten, wie man an seine
„ungehobenen Schätze“ kommt, wie man sie wiederentdecken kann. Ja, ich gehe davon aus, dass
jeder Schätze in sich hat, jeder hat Fähigkeiten und Interessen, Leidenschaften und Motivationen,
aber wie sollen wir die nutzen, wenn wir doch nur einen Teil unseres Lebens leben? Der
humanistische Ansatz geht davon aus, dass jeder Mensch danach strebt, ganz sein zu wollen. Und
wahrscheinlich ist das ein Wunsch, der heute aktueller denn je ist. Wo wir anfangs mehr sein wollten,
als wir jetzt sind, wollen wir sein, was wir sind. Und auch das kann schon eine wichtige Aufgabe sein.
Der indische Philosoph Osho sagte dazu: „Sei! Versuche nicht zu werden.“ Aber möglicherweise darf
man auch erst mal „Werden“ um zu „Sein“. Doch dazu möchte ich an dieser Stelle nicht tiefer
eingehen. Vielleicht können einige Anregungen aus der humanistischen Strömung hilfreich sein, um
wieder auf den Weg des Ganz-werdens zu kommen.
1. In Frage stellen
Es kann helfen, sich und Systeme immer mal wieder in Frage zu stellen. Wer es schafft, auch
sich, sein Selbst hin und wieder in Frage zu stellen, schafft möglicherweise dadurch
Möglichkeiten, auf den Weg des Selbstwerdens zurückzufinden. Ist wirklich alles gegeben, so
wie es ist? Oder scheint es nur gegeben? Vieles, was man als gegeben betrachtet, kann
Sicherheit geben. Aber vieles, was man hinterfragen oder in Frage stellen kann, kann
Chancen zur Entfaltung bieten. Kleines Beispiel: Angenommen jemand hat Angst, Vorträge zu
halten und die innere Einstellung, dass das als festgelegt existiert. Wie viel Entwicklung ist da
möglich? Wie viel Entwicklung ist bei jemandem möglich, der diesen Zustand in Frage stellt?

2. Authentizität
An anderer Stelle habe ich schon darauf hingewiesen, dass unser Gehirn eine
Grundeinstellung besitzt: Authentizität oder Echtheit. Viele bewundern möglicherweise
Kinder, wie echt oder authentisch sie sind, dass sie frei heraus reden, was sie denken oder
fühlen. Und dann gibt es doch eine zweite Grundeinstellung: Wir nehmen Un-echtheit sofort
wahr. Das kommt dann zum Ausdruck, wenn wir ein komisches Bauchgefühl einem anderen
Menschen gegenüber haben. So wie wir gelernt haben, weniger authentisch und echt zu sein
und sich darum ein System möglicherweise gebildet hat, so können wir auch immer wieder
lernen, echt zu sein. Und vielleicht ändert sich ja dann auch das System. Mit Echtheit ist
gemeint, dass wir wirklich echt sind, dass wir keine Maske in der Kommunikation mit
anderen tragen. Schaffen wir es, echter zu sein, nehmen wir uns und unseren
Gesprächspartner viel tiefer wahr, die Qualität der Beziehung wird auf eine andere Ebene
gestellt. Beispiel kann sein, dass die Inhalte einer Botschaft mit der Mimik, Gestik und dem
Tonfall übereinstimmen.
3. Selbst-wahrnehmung

Sich selbst wahrzunehmen kann auch eine hilfreiche Anregung sein. Hiermit meine ich,
wahrzunehmen, was man kann, was man will, was man ist. Viele wissen nicht, was sie
können, was sie gutes geleistet haben. Das nehme ich oft in Seminaren oder auch in der
Arbeit mit meinen Klienten wahr. Viele können sich erst Fähigkeiten zuschreiben, wenn ich
sie aus der Perspektive einer anderen Person beschreiben lasse. Ja und leider werden wir
einfach von außen zu viel bewertet, dass wir uns selbst kaum Wert zuschreiben. Aber wer
kann sich denn am besten Wert zuschreiben? Doch nur man selbst. Ansonsten macht man
seinen Wert von der Gunst anderer abhängig. Und da jeder Mensch, dem wir begegnen
natürlich einen anderen Bewertungsmaßstab ansetzt, kann es wenig sinnvoll sein, die
verschiedenen Maßstäbe zu vereinheitlichen. Also stellen wir in Frage…

4. Akzeptanz
Auch Akzeptanz kann bei der Ganzwerdung helfen. Sich selbst zu akzeptieren bedeutet, nicht
gegen sich zu kämpfen, sondern Ruhe in seine persönliche Entwicklung hinein zu bringen.
Und letztlich akzeptiert man sich ja eher weniger, weil auch hier vielleicht wieder der
Vergleich mit anderen und die Bewertung durch andere zu sehr im Vordergrund steht. „Ich
bin ich – und du bist du“ sagte Fritz Perls, Gestalttherapeut, dazu. Außerdem tritt scheinbar
ein ganz interessanter Effekt auf, je mehr man gegen sich selbst und die Situation kämpft, in
der man steckt: Das, was man scheinbar nicht will, wird stärker, bekommt mehr
Aufmerksamkeit, gewinnt an Größe.

Diese vier Aspekte möchte ich hier als Anregungen geben, Erfahrungen mit dir teilen, was mir selbst
schon oft geholfen hat und sich teilweise zu einer Lebenseinstellung verfestigt hat. Ganz-werden ist
ein ständiger Prozess, und er hört wohl nie auf. Es kann ein ständiger Weg sein, auf dem man sich
befindet, wenn man bereit ist, ihn gehen zu wollen. Natürlich macht es auch durchaus Sinn, ständig
zu sitzen, aber dann kann man sich fragen, wie viel man vom Leben sieht. Doch auf schönen Wegen
gibt es auch Bänke, die gerne zum Sitzen einladen. Diese Bänke stehen oft an Plätzen, an denen die
Landschaft am schönsten ist. Beim Abschweifen des Blicks in die Ferne sortieren sich möglicherweise
die Erfahrungen, die man auf dem Weg sammeln konnte, am besten. Und so kann Gehen und Ruhen
sinnvoll sein…

Für mich persönlich sollte dieser Satz zum Unwort – oder eher Unsatz – gekürt werden. Wie kann es
sein, dass wir einen Satz entwickelt haben, der ausdrückt, dass wir keine Zeit haben, aber doch aus
der Fülle einer lebensumspannenden Zeit schöpfen können? Den Satz kann man vielleicht auch noch
mal in Ruhe lesen: keine Zeit haben. Also ist es doch scheinbar zwangsläufig dazu gekommen, dass
wir die Zeit vom ursprünglichen Rhythmus in der Natur abgetrennt haben. Denn uns steht so viel Zeit
zur Verfügung, aber wir machen uns abhängig von einer selbstauferlegten Zeitmessung.
Der Mensch hat die Zeit für sich empfunden, um verschiedene Bereiche einfacher und
kontrollierbarer zu halten. Als die ersten Kalender entwickelt wurden, waren diese noch sehr eng mit
dem Rhythmus der Natur verwurzelt. Heute erfinden wir sogar eigenes Vokabular, was verdeutlicht,
dass dort eine tiefe Trennung vollzogen wurde. Wenn ich schon sage, dass ich keine Zeit habe, wer
hat dann das Recht, über meine Zeit zu verfügen? Wofür habe ich denn keine Zeit? Und wenn man

sich dann noch über etwas aufregt, dass die eigene Zeitplanung durcheinander bringt, etwas was
„unvorhergesehen“ war, dann regt man sich doch eigentlich über etwas auf, was man selbst
auferlegt hat. Aber sich selbst etwas aufzuerlegen und sich dann darüber aufzuregen scheint ziemlich
paradox, spricht aber oft auch für eine Art Abhängigkeit nach Sicherheit.
Wer kann wirklich von sich behaupten, nichts (NICHTS) tun zu können? Diese Frage stelle ich oft
Studenten und viele antworten dann, dass sie das könnten. Wenn ich dann frage, was es bedeute,
wenn sie nichts machen, kommen Antworten wie: „Ja dann mache ich Haushalt.“, „Ich lese dann.“,
„Dann gehe ich spazieren.“ Aber ist das nichts machen? Wir können es uns fast schon gar nicht mehr
leisten nichts zu machen. Unsere Leistung ist so stark mit unserer Zeit gekoppelt, dass viele
Menschen Angst empfinden, wenn sie mal nichts zu tun haben. Und das wäre dann „verschwendete
Zeit“. Auch wieder so ein Ausdruck, der verdeutlicht, dass man sich möglicherweise in einem System
befindet, dass von außen bewertet, ob wir unsere Zeit nutzen oder nicht. So schaffen es viele, sogar
ihre Freizeit zu planen. Minutiös wird in den Kalender am besten am Sonntag schon eingetragen, wie
lange man mit einem Freund essen gehen, wann man sich Zeit eingesteht, zu lesen oder mit Kind
und/oder Haustieren zu spielen. Und dann gibt es so großartige Erfindungen an Methoden, die uns
von außen auferlegen und sensibilisieren wollen, wie wichtig doch ein Zeitmanagement ist. Also bis
jetzt konntest du mit deiner Zeit scheinbar nicht vernünftig umgehen, also gebe ich dir mal ein paar
Methoden mit an die Hand, damit du deine Zeit effektiver nutzt. Um das mit einer Metapher zu
schmücken, manchmal kann es vielleicht helfen, sich zu fragen, in welchem Uhrwerk man steckt.
Wenn jemand über unsere Zeit verfügt, verfügt dieser jemand wohl dann auch über unser Leben.
Wenn jemand sagt, dass man zu der und der Uhrzeit, am besten auch noch 45 Jahre lang, erscheinen
muss, dann haben wir zu kommen. Und das ist auch ein wichtiger Aspekt von Sicherheit. Jemand von
außen hilft mir, mein Leben zu strukturieren, bevor ich das ja alleine machen müsste. Was käme
denn dann dabei heraus und vor allem: was sollen denn die Anderen denken? Um 14 Uhr im Garten
sitzen und in den Himmel schauen, um 14 Uhr? Da stimmt was nicht. Es kann hin und wieder helfen,
sich auch der Abhängigkeit gegenüber der Zeit bewusster zu werden. Auf eigenen Beinen steht es
sich meistens am besten. Vielleicht ist das aber auch schon ein Ansatz einer Rebellion, dass viele
junge Menschen mittlerweile eher mehr Freizeit einem guten Verdienst vorziehen würden. Der
Deutschlandfunk und MDR haben dazu interessante Artikel veröffentlicht.
Es gibt eine – wie ich finde – fragwürdige Methode, die oft Teilnehmern in
Zeitmanagementseminaren vorgeführt wird. Man nehme ein Meterband und sage den Teilnehmern,
jeder Zentimeter sei ein Jahr. Angenommen jeder würde dann 100 Jahre alt werden, wo wäre dann
jeder Teilnehmer mit seinem momentanen Alter auf diesem Meterband. Angenommen da sitzt
jemand, der 52 Jahre alt ist. Rückblickend: Wie hat der Teilnehmer oder die Teilnehmerin seine Zeit
bis jetzt verbracht? Wohl scheinbar wenig sinnvoll, sonst wäre er oder sie nicht auf einem
Zeitmanagementseminar. Ok, zugegeben, bei wem macht sich ein bisschen Druck bemerkbar? Oder
Torschlusspanik? Um mich mal ein bisschen wenig systemisch auszudrücken.
Wem sollte es letztlich wichtig sein, wie wir unsere Zeit verbringen? Das sind wir selbst und wer
Kinder hat, denen sollte es sicher auch wichtig sein. Auch wenn viele Eltern schon anfangen und die
freie Zeit ihrer Kinder mit verschiedenen außerschulischen Unterrichtseinheiten zu verplanen. Dann
ist nach der Schule Klavierunterricht oder Fußball angesagt, Hausaufgaben sollten ja bitte auch noch
gemacht werden, Zimmer aufräumen, Nachhilfe. Spielen? Wenn man das auf ein Erwachsenen
projizieren würde… Ein Erwachsener, der spielt, ist doch vielleicht faul, oder? Also bereiten wir bitte
unsere Kinder auf das Erwachsenenalter vor. Dabei kann es sich doch so beruhigend und
sprichwörtlich befreiend auswirken, wenn man ein bisschen mehr Selbstbestimmung über seine Zeit
erreichen kann. Eine kleine Veränderung eines Zahnrades im Uhrwerk kann bewirken, dass die

anderen Zahnräder anfangen, sich zu drehen. Und wie gut kann es sich wohl anfühlen, wenn man das
Zahnrad in seinem System ist, dass beginnt, sich zu drehen.

Manchmal finde ich da die Geschichte des Schülers passend, der Gott darum bittet, über Wahrheit
belehrt zu werden. Der Gott sagt: „Mein Freund, es ist so ein heißer Tag, bitte bringe mir doch ein
Glas Wasser.“ Und der Schüler geht hinaus und klopft an die Tür des ersten Hauses. Dort macht ihm
eine schöne junge Frau die Tür auf und der junge Mann verliebt sich in sie. Sie heiraten und
bekommen mehrere Kinder. Eines Tages beginnt es zu regnen. Der Regen wird immer heftiger jeden
Tag. Die Bäche und Flüsse schwellen an, die Straßen und Dörfer werden überflutet und die Häuser
hinweggeschwemmt. Der junge Mann hält sich an seiner Frau fest und trägt seine Kinder auf den
Schultern. Und während er weggespült wird, ruft er: „Gott, bitte, rette mich doch!“ und der Herr
sagt: „Wo ist das Glas Wasser, um das ich dich bat?“ Oft ist Zeit die wichtigste Ausrede vieler
Menschen und viele versuchen Sicherheit in der Zeit zu finden. Aber Zeit bringt wenig Ordnung und
Sicherheit. Es kann nur bedeuten, dass wir im JETZT ausschöpfen, was uns zur Verfügung steht.

Nicht im Morgen und auch nicht im Gestern. JETZT ist der Moment, in dem wir leben!

Feedback

Benjamin Lang hört zu, fragt nach bis auf den Grund und das alles mit einer starken menschlichen Präsenz, die es erlaubt in entspannter Konzentration das „Eigentliche“ zu erspüren. Wohlfühlen, An-Erkennen, Würdigen und „In Frage stellen“ sind nur einige der Kernkompetenzen, die ich an Benjamin über die Zeit zu schätzen gelernt habe. Die Räumlichkeiten seiner Praxis spenden Raum zum Innehalten, Reflektieren und Vordenken. Und, ja: Coaching und Entwicklung darf sich manchmal auch leicht anfühlen und mit heiterer Gelassenheit betrieben werden. All das durfte ich hier erleben....
Thomas Herbst
Coaching Klient
Benjamin Lang ist nicht nur unglaublich sympathisch, er arbeitet auch sehr professionell. Mit seiner offenen und sehr angenehmen Art hat er es sehr schnell geschafft, mein Vertrauen zu gewinnen. Auch die spannenden und vielfältigen Methoden haben mich sehr angesprochen. Durch seine Kompetenz waren all unsere Gespräche absolut zielführend und gewinnbringend für mich. Ich bedanke mich nochmals herzlich bei ihm und kann nur jeden ermutigen, z.B. bei beruflichen Herausforderungen die Unterstützung von Benjamin zu suchen
Frank Martin
Coaching Klient

Neue Sichtweisen entdecken

“Kleine Schritte können große Veränderungen bewirken.”
Lehrsatz der lösungsorientierten Gesprächsführung