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Systeme und Probleme

Forscher der Universität Harvard haben herausgefunden, dass scheinbar das Lösen von Problemen dazu führen solle, dass mehr Probleme wahrgenommen und definiert werden würden. David Levari und Daniel Gilbert haben in einem Experiment herausgefunden, dass es scheinbar eine Eigenart des Menschen sei, an Problemen "haften zu bleiben".

Probanden sollten in einer Menge von Punkten, die von leuchtend blau bis violett variierten, ausschließlich die blauen Punkte heraussortieren und zählen. Dies wurde über einen längeren Zeitraum wiederholt. Schließlich wurden die blauen Punkte in ihrer Anzahl verringert. Die Probanden rechneten nun zunehmend auch violette Punkte mit ein. Sogar nach ausdrücklicher Anweisung, dass sich die Anzahl der blauen Punkte verringert habe, zählten die Probanden violette Punkte dazu. Auch eine Geldbelohnung, die in Aussicht gestellt wurde, verhinderte diesen Effekt nicht. Es scheint, als würde die Definition von Problemen weitergefasst werden und Ähnlichkeiten mit in die Aufmerksamkeit gefasst werden. Auch wenn das Problem nun teilweise oder ganz gelöst zu sein scheint, die Wahrnehmung auf "Probleme" bleibt bestehen.

Das würde allerdings eine Chance darstellen für den systemischen Ansatz. Wenn Menschen sich also als fähig sehen, Probleme lösen zu können, dann können sie wohl scheinbar ihre Fähigkeiten dafür nutzen, um an neue Herausforderungen heranzugehen. Der systemische Ansatz schaut deshalb auf das, was bis jetzt gut funktioniert hat, anstatt die gewohnten neuronalen Bahnen im Gehirn anzusprechen, die für die Aufrechterhaltung des Problems genutzt wurden. Also könnte es doch vielleicht besser sein, wenn es nicht nur Menschen gibt, die sich hilflos, machtlos, ohnmächtig ihrem Problem "ausgesetzt" fühlen, dafür aber mehr Menschen geben würde, die ihre eigenen und auch andere Probleme angehen und meistern können. Wenn sich also mehr Menschen gesellschaftlicher, politischer, sozialer, usw. Angelegenheiten bemüht sind, oder: diese Angelegenheiten dann auch wahrnehmen und definieren können. Weil diese Fähigkeiten scheinen uns ja gegeben zu sein, wie die Studie beweisen will.

Ein Problem erschafft ein System...

Zugegeben, die Überschrift ist provokant. Doch kann der Gedanke oben nur logisch klingen, wenn man sich den von Goolishian und Mitarbeitern (1998) eingeführten Begriff "Problemdeterminiertes System" betrachtet:

Ganz einfach ausgedrückt: Ein Problem erschafft ein System...

Das bedeutet, nicht ein System "hat" oder "ist" ein Problem, sondern ein Problem erschafft, erzeugt erst ein System. Dies kann an dem Witz deutlich werden: "Herr Doktor, ich habe eine Depression." - "Haben Sie sie mitgebracht?" Natürlich soll hiermit keine Wertung ausgedrückt werden. Doch ich habe im Artikel "Probleme aus systemischer Perspektivehttps://hypnosystemisches-team-kassel.jimdo.com/2018/08/23/probleme-aus-systemischer-perspektive/https://hypnosystemisches-team-kassel.jimdo.com/2018/08/23/probleme-aus-systemischer-perspektive/https://hypnosystemisches-team-kassel.jimdo.com/2018/08/23/probleme-aus-systemischer-perspektive/" versucht aufzuzeigen, dass ein Problem nichts Statisches, Starres, Rigides sein kann. Denn alles um uns herum verändert sich und wir verändern uns auch stetig.

Was letzlich ein System zusammenhält, worüber es sich definiert, ist Kommunikation. Ein System kann aus anderen Personen oder Organisationen bestehen. Rufen wir uns noch einmal in Erinnerung, wie Probleme aufrechterhalten, erfunden und erklärt werden, so stützen die Mitglieder des Systems die Erklärung eines erfundenen Problems.

Das soll an einem Beispiel deutlich werden:

Die Darstellung soll eine Möglichkeit zeigen, wie ein Problem ein System "erschaffen" kann. Die Mitglieder dieses System können in jeder Hinsicht eine Unterstützung und Hilfe für den Betroffenen darstellen, aber sie sind auch in diesem Beispiel der Auffassung, dass es ein Problem "gibt". Der systemische Ansatz betrachtet das ganz anders. Und ja, es kann auch eine radikal andere Sichtweise zur allgemeinen Auffassung über Probleme darstellen. Aber es kann auch damit eine neue Perspektive für andere Lösungsansätze ermöglichen, denn:

nicht das System muss sich verändern, die Kommunikation um das Problem herum sollte sich verändern!

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