Das Dilemma mit dem IQ...

Wie sinnvoll ist der IQ?

Es mag unter Umständen ein sinnvolles Konstrukt sein - unser Intelligenzquotient bzw. IQ. Die Berechnung ist beispielsweise unerlässlich, wenn man eine pathologische Intelligenzstörung bei Kindern herausfinden möchte. Und die Wirtschaft und die akademische Welt nutzt dieses Konstrukt gerne, um bestimmte kognitive Leistungen der Bewerber zu erarbeiten - und die Bewerber danach auch zu sortieren. Der Intelligenzquotient ist ein Konstrukt, welches das intellektuelle Leistungsvermögen aufzeigen soll. Mit dieser Skalierung sollen Intelligenzstörungen, Minderbegabung, Durchschnitt und Hochbegabung klassifiziert werden. Das "IQ-Denken" - so nennt es Howard Gardner, amerikanischer Erziehungswissenschaftler - hat sich seit dem Ersten Weltkrieg angefangen zu etablieren. Zu dieser Zeit haben fast 3 Millionen Amerikaner die Möglichkeit bekommen, die erste massenhafte Erfassung des IQs mit Hilfe von Papier und Stift auzuführen. Und nach diesen Ergebnissen wurde sortiert.

Verschiedene Systeme haben sich dieses Konstrukts angenommen, um spätere Bewerber anhand des Intelligenzquotienten favourisieren zu können. Aber wie aussagekräftig ist der Intelligenzquotient und kann er eine Garantie für späteren Erfolg sein?

Einige Studien wollen das Gegenteil beweisen. Bereits in den 40er Jahren hat man den Lebensweg von 95 Harvard-Studenten bis ins mittlere Alter verfolgt. Hier zeigte sich, dass die Studenten mit den besten Testergebnissen nicht sonderlich erfolgreicher in Einkommen und Status waren, als ihre Kommilitonen, die schlechtere Ergebnisse aufwiesen. Auch zeigten sie keine höre Zufriedenheit mit ihrem Leben, oder waren die Glücklichsten.

In den 80er Jahren wurde eine Studie mit 81 Highschoolabsolventen durchgeführt, die auf den Abschlussfeiern die Begrüßungs- und Abschiedsreden halten durften. Diese Schüler mit den besten Notendurchschnitten zeigten auch auf der Universität gute Leistungen und hervorragende Noten. Aber auch hier zeigte sich nach Absolvieren der Highschool, dass sie nicht wesentlich erfolgreicher waren, als ihre Kollegen mit weniger starken Leistungen. Karen Arnold, Pädagogik-Professorin, die an der Studie beteiligt war, meinte dazu: "Ich denke, wir haben die >Angepassten< gefunden, Menschen, die wissen, wie man im System vorankommt." Und diese Aussage erinnert mich stark an ein bekanntes Zitat des Neurobiologen Prof. Dr. Gerald Hüther:

Multiple Intelligenzen

Der Standard-Test zur Ermittlung des Intelligenzquotienten beschränkt sich meist auf die Wort-Zahl-Fertigkeiten des Menschen. Also insgesamt ein kleines Spektrum der menschlischen Fertigkeiten. Howard Gardner, der oft schon der Rebell der Psychologie genannt wird, schlägt deshalb die Theorie der multiplen Intelligenzen vor. Gardner geht davon aus, dass das Spektrum menschlicher Fähigkeiten weit über Rechnen, Schreiben und Lesen hinausgeht. Die Theorie erweitert das Intelligenzkonstrukt des Menschen um kinästhetische (also Bewegung), musikalische, räumliche, aber auch interpersonale und intrapsychische Fertigkeiten.

Die interpersonale Intelligenz beschreibt die Kommunikationsfähigkeiten, und auch die Wahrnehmung sozialer Prozesse des Menschen. Intrapsychisch beschreibt einerseits brillante Einsichten zu entwickeln, aber andererseits auch, dass man sein Leben nach den eigenen inneren Empfindungen einrichten kann. Natürlich kann dieses Spektrum auch noch erweitert werden, aber Howard Gardner bündelte verschiedene Fähigkeiten zu übergeordneten Kategorien.

Warum schreibe ich das aber nun in die Serie "jeder hat bereits alle Fähigkeiten in sich"? Das IQ-Konstrukt bestimmt in vielen Fällen noch die Auswahlkriterien von Bewerbern an Universitäten oder in der Wirtschaft. Doch ist jemand, der nicht gut in Mathematik ist, gleich nicht intelligent, oder hat einen niedrigen IQ? Nach Gardner zeigten viele Personen in seinen Studien, die einen hohen IQ hatten, dass sie auch einige Defizite bei seinen Vorschlägen von Intelligenz aufwiesen. Howard Gardner sagte selbst, dass viele mit einem IQ von 160 für Menschen mit einem IQ von 100 arbeiteten.

Der Mensch besitzt ein viel breiteres Spektrum an Intelligenzen. Wenn aber in der Schule nur ein kleines Teilgebiet in den Mittelpunkt gerückt wird, werden natürlich andere Fähigkeiten vernachlässigt. Viele Kinder vergleichen sich vielleicht mit denen, die in Mathe, Deutsch, Englisch gute Ergebnisse erzielen. Und das führt zu Konflikten. Dabei würden die Kinder wahrscheinlich auf den anderen Gebieten gute Ergebnisse erzielen, wie z.B. bei musikalischer oder interpersonaler Intelligenz. Dies würde möglicherweise auch wiederum bedeuten, dass schon in der Schule der Grundstein für eine breitere Entfaltung des Spektrums der menschlichen Fähigkeiten gelegt werden könnte. Und so kann man sich vorstellen, was mit Kindern passiert, die vielleicht früh auf dem Gebiet der musikalischen Intelligenz gute Leistungen erbringen und dementsprechend gefördert werden würden.

Schreibt mir doch einen Kommentar. Was haltet ihr von dieser Alternative zum bekannten Konstrukt des Intelligenzquotienten? :)

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