Sprechen Sie limbisch? Teil 1

Alte Hierarchien

„Diejenigen, welche die Psyche, Seele, so benannten, haben sich dieses dabei gedacht, dass sie, wenn sie sich bei, oder wie man sonst sagte, in dem Leibe hält, die Ursache ist, dass er lebt, weil sie ihm das Vermögen des Atmens mitteilt, und ihn dadurch als ein Selbst hält und erfrischt, sobald aber diese selbige fehlt, kommt der Leib um und stirbt, deshalb, glaube ich, haben sie sie Seele genannt.“ (Platon)

 

 
 
 
In der Antike dachten Philosophen wie Platon darüber nach, wo im Menschen die Seele und damit die Gefühle sitzen. Dann war es auch naheliegend, dass die frühen Anatomen zu dieser Zeit den Sitz der Seele im Menschen suchten.

Platon stellte die Seelenlehre auf und verglich das Seelen- und Gefühlsleben des Menschen mit Pferd und einem Wagenlenker. Die Vernunft stellt dabei den Wagenlenker dar, der das störrische, impulsive und kräftige Pferd stets im Zaum halten und zügeln muss. Dieses Bild hat sich bis in die Neuzeit gehalten: der Mensch ist ein rationales Wesen. Was ihn vom Tier unterscheidet ist, dass er in der Lage ist, die primitiven, animalischen Ausdrucksformen und Emotionen zu unterdrücken. Wir können planen, analysieren und einzig mit der Vernunft entscheiden.

In der Metapher des „Seelenwagens“ Platons gesprochen, erreichen wir unsere Ziele nur, wenn wir unsere Vernunft und Logik einsetzen. Auch wenn sich diese Vorstellung bis ungefähr in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts gehalten hat, so gibt es scheinbar eine „emotionale Wende“. 

Viele Persönlichkeiten (Sigmund Freud, Carl Rogers, Eric Berne, Virginia Satir, Milton Erickson, u.v.m.) haben sich ein Großteil ihres Lebens damit beschäftigt, herauszufinden, wie Probleme, Krisen und auch dann (psychische) Krankheiten beim Menschen entstehen und wie Veränderungen möglich sind. Freud beispielsweise stellte dem animalischen Verlangen - dem „Es“ - eine Kontrollinstanz - das „Über-Ich“ - gegenüber. Auch hier kann man die Ähnlichkeit zur Seelenlehre nach Platon erkennen.

Andere Philosophen, wie beispielsweise der Franzose René Descartes, empfahlen im 17. Jahrhundert, dem „reinen Licht der Vernunft“ zu folgen. Eine ganze geistige Epoche wurde nach diesem Prinzip benannt: der Rationalismus. Auch wenn die Richtungen und Arbeitsweisen unterschiedlich waren, die jede dieser Persönlichkeiten begründet hat, so gibt es scheinbar doch einen gemeinsamen Nenner: In uns gibt es Emotionen, die mit großer Macht versuchen, Ausdruck zu finden. Wir lernen aber, diese Ausdrucksformen der Emotionen zu unterdrücken, zu verdrängen und Ersatzgefühle zu finden (und weitere kreative Strategien).

Aber das Pferd bäumt sich dennoch weiter auf. Wissenschaftler glaubten sogar eine ähnliche anatomische Hierarchie im Gehirn wiederzuerkennen. Das limbische System galt als Sitz unserer primitiven, animalischen Triebe. Jene Gefühle also, die wir mit den Tieren teilen. Darüber spannt sich die Großhirnrinde, die der Sitz der Vernunft und Logik sein sollte.