Die Macht der Emotionen

Die Macht der Emotionen

Mittlerweile gibt es Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass rund 85% der (psychischen) Krankheiten auf emotionale Ursachen zurückgehen. Manche behaupten sogar, dass es 100% sind.

 
 
 

Welche Macht die Emotionen haben, erkennt die moderne Neurobiologie immer mehr. Patienten, denen wegen eines Hirntumors hinter der Stirn ein Teil des präfrontalen Cortex‘ entfernt werden musste, zeigten zwar immer noch ihre normalen kognitiven Fähigkeiten, wie man sie in Intelligenztests misst. Doch wiesen sie ein immenses, fast schon das komplette Leben einschränkende Defizit auf: Sie konnten sich nicht mehr entscheiden.
Scheinbar banale Entscheidung (welche Schuhe man morgens anzieht, wo man essen geht, was man einkaufen soll, usw.) waren für die Betroffenen fast unlösbare Aufgaben. Sie wägten die Optionen stunden- oder auch tagelang ab, informierten sich, analysierten und grübelten über die Entscheidung, nur um dann doch zu keinem Ergebnis zu kommen.
Die Betroffenen verloren ihre Arbeit, ihre Familien gingen in die Brüche, sie verloren teilweise Ersparnisse.

Aber sie alle hatten gemeinsam, dass diese Tragödien in ihrem Leben sie nicht berührten. Oder: das Wort Emotion kommt aus dem Lateinischen von emovere und bedeutet heraus-bewegen.
Diese Ereignisse bewegten die Betroffenen nicht. Sie berichteten über ihre Erfahrungen wie Zuschauer. Die Betroffenen empfanden keinen Schmerz, keine Trauer, Euphorie, Freude, oder Angst.

Doch die wenigsten Wissenschaftler haben sich dieses Umstandes wirklich angenommen, denn ihre kognitive Leistung, ihr IQ, war nicht beeinträchtigt. Und das war das wesentliche Spektrum, was gemessen worden war. Und auch die Feststellung des Intelligenzquotienten folgt dieser alten Vorstellung: Hier sollen Fertigkeiten gemessen werden, die hauptsächlich dem rationalen, naturwissenschaftlichen Spektrum der Intelligenz zugeordnet wurden.

Wenn der Mensch also so ein rationales Wesen sei, dass mit Vernunft und Moral entscheidet, wie konnte die Entscheidungsunfähigkeit dann bei den Betroffenen erklärt werden, bei denen ein Teil der Großhirnrinde fehlte?